Ozeanien

Das Königreich Tonga

Island, Tonga

Das Königreich Tonga – wieder ein Land das kaum einer kennt. Dieses Königreich ist so klein, dass es auf den meisten Weltkarten nicht einmal einen Eintrag hat. Aber warum genau zog es mich in dieses aus 176 kleinen Inseln bestehende Archipel? Um ehrlich zu sein, vor unserer Reise in den Inselstaat wussten wir das auch nicht. Außer Palmen, tollen Stränden und tausenden Kokosnüssen konnten wir uns nichts vorstellen. Lasst euch also überraschen, was die ehemals genannten Freundschaftsinseln für Überraschungen verbergen.

Warum ist das Archipel als auch die Freundschaftsinseln bekannt? Das ganze geht auf die Entdeckung durch  James Cook zurück. Cook, ein bedeutender britischer Seefahrer, kam auf seinen Reisen nach Tonga und nannte die Inseln „The Friendly Islands“ (die freundlichen Inseln), da die Bewohner in mit einem großen Festessen willkommen hießen. Was Cook allerdings nicht wusste ist, dass er in einen Hinterhalt gelockt wurde und selbst zu einem „Festessen“ verarbeitet werden sollte. Der Häuptling wollte, dass noch am Abend alle Ankömmlinge getötet werden. Erst in letzter Sekunde hatte sich der damalige Herrscher gegen die Ermordung entschieden. Die Brutalität sowie den Kannibalismus haben die Einwohner inzwischen aufgegeben, die polynesische Freundlichkeit ist jedoch geblieben.

Tonga, Pacific, Island
One of many tropical islands of the Kingdom of Tonga
Willkommen im Königreich Tonga

Es könnte in Afrika, in Asien oder in der Karibik sein. Tatsächlich liegt das niemals kolonialisierte Königreich etwa 2000km nordöstlich von Neuseeland. Bisher gehören meine Erfahrungen und auch das Reiseland selbst als eines der exotischsten Ziele, die ich bisher in meinem Leben ansteuerte.  Kaum ein Europäer, noch Amerikaner hat eine klare Vorstellung davon, womit Tonga wirklich ein Ziel abseits des Massentourismus ist . Gerade deshalb hat es für mich einen besonderen Reiz.

Die Tonganer selbst, haben die „das kümmert mich nicht“ Lebenseinstellung, was einerseits sehr erfrischend und anderseits frustrierend sein kann. Hier rennen einem keine Verkäufer hinterher wie in Thailand, nein man selbst wirkt fast wie eine Belästigung für die Verkäufer am Markt. Toni, einer unserer Gastgeber, erklärte uns, dass die Einheimischen niemals nein sagen, da das sehr unhöflich wäre. Wir sollen also nicht davon ausgehen, das besprochene Dinge tatsächlich gemacht werden. Selbst wenn man nach dem Weg fragt und die befragte Person nicht weiß wo der Ort ist, würde diese uns in irgendeine Richtung schicken. Auf die Frage, wann die Fähre fährt bekommt man folgende Antwort: Vielleicht am Montag, Dienstag, Mittwoch oder Donnerstag.

Generell steht am Sonntag die Zeit in Tonga still. Selbst am Samstag haben beispielsweiße Friseure nur von 9:00Uhr bis 10:00Uhr geöffnet. Am Sonntag gehen die gläubigen Christen in die Kirche und das ganze Land steht sill. Flugverkehr ist dann illegal, sowie die Öffnung des örtlichen Supermarkts. Obwohl der durschnittliche Tonganer eher einen entspannten und ruhigen Alltag hat, wird man von der ausserordentlichen Ruhe an einem Sonntag ein weiteres Mal beeindruckt sein.

Palace, Tonga
The palace of the king of Tonga on Tongatapu Island
„You have to learn to do nothing“

Eines der wichtigsten Sätze, die uns Toni bei seiner Insel Tour der Hauptinsel Tongatapu mit auf den Weg gab, war „Ihr müsst lernen nichts zu tun“. Für Menschen, die wie wir in einer äußerst dynamischen Welt leben, fällt das manchmal schwerer als gedacht. Wenn man aber mal sein Lebensstil entschleunigt und sich der tonganischen Zeitrechnung anpasst, dann kann ein Urlaub auf den Inseln äußerst erholsam sein.

Auf Tongatapu ist Toni’s Inseltour sehr zu empfehlen. Während unserer 6 stündigen Tour, die an gefühlten 300 Kirchen vorbei ging, unterbrach Toni seine Geschichten nur während dem Mittagessen. Der Nordengländer redete ohne Punkt und Komma und das gute 5,5 Stunden lang. In der Tat gibt es alleine auf Tongatapu etwa 330 anerkannte Kirchen. Selbst Toni hat seine eigene christliche Religion gegründet, „Tonis Tempel“, um für sich beispielsweiße Sonntagsarbeit zu legalisieren. Für ihn ist das sehr praktisch, denn so kann er und seine Familie auch Sonntags arbeiten und sich um Touristen kümmern, während der Rest des Landes die Arbeit niederlegt.

Die informative Tour, die wie alles hier im Rausch der Langsamkeit stattfand, brachte uns zu verschiedenen schönen Orten. Viel hat Toni über die Wichtigkeit der Religion erzählt und die bemerkenswerte Anzahl mormonischer Kirchen, die im ganzen Südpazifik inklusive Neuseeland und Australien in letzter Zeit einen großen Aufwind erleben. Die Menschen in Tonga glauben und ihr Glaube ist ihnen eine Menge Geld wert, de facto sogar fast alles was sie besitzen. Toni, der mittlerweile selbst einen tonganischen Pass besitzt und seit 25 Jahren auf Tonga lebt, erzählte uns, dass die Menschen hier den westlichen Lebenstil nicht möchten, denn sie arbeiten nicht gerne.

Palm trees, Coconut, Tonga
Coconut palm trees everywhere
nur die ruhe weg

Farmland wird bepflanzt mit Ananas, Kokusnusspalmen, Salat und Anderem, auf die Ernte wird allerdings kein hohen Wert gelegt. Die Menschen seien hier zwar materiell arm, aber man teilt hier einfach alles und jeder hat sein eigenes Land mit einem Haus. Wenn man gerade selbst kein Geld hat oder nicht ausreichend Essen, fragt man bei der Verwandtschaft und die hilft sicher aus. Das Leben hier ist grundsätzlich anders und das müsse man verstehen. Denn den Menschen einen gewissen Lebensstil aufzuzwingen, den sie nicht wollen, dass würde nie klappen, meint Toni. Unserem Eindruck nach, zeugt dieser starke Zusammenhalt der Bevölkerung Tongas von einem ganz anderem positiven Reichtum im gemeinschaftlichen Sinne.

Immer wieder versuchen beispielsweiße Neuseeland und Australien, kleine Fabriken in Tonga, als Hilfeleistung zu errichten, um die nicht geernteten Kokusnüsse oder anderen Früchte zu verarbeiten. Allerdings sind nicht genügend Arbeiter zu finden und deshalb schließen diese Firmen wieder nach kurzer Zeit. Für einen europäischen denkenden Menschen sind manche Dinge, die hier passieren, schlicht unbegreiflich und undenkbar.

Ja, tonga lohnt sich!

Tonga ist ein armes, unterentwickeltes Land, dass kaum touristische bzw. generell Infrastruktur bietet. Informationen zu bekommen, Touren zu buchen und Mietwägen zu bestellen, sind hier häufig ein Abenteuer. Allerdings kann genau das ein Reiz sein, dieses Inselparadies zu besuchen, da es eben nicht von Touristenherden überlaufen ist. Zudem locken die vielen unberührten Strände und eine kulturelle Erfahrung an, die nur selten so authentisch ist wie in Tonga. Das Motto lautet das tonganische Zeitgefühl anzunehmen,  lernen nichts zu tun und alle Erwartungen hinter sich zu lassen.

Trotz ein paar Schwierigkeiten war unsere Reise durch den Inselstaat eine intensive und kulturelle Erfahrung, die wir einerseits mit Kopfschütteln und andererseits mit Faszination aufnahmen. An der Schönheit der Natur dieses Landes gibt es keine Zweifel. Die schönen Strände, die tropischen Wälder und der klare Südpazifik gaben uns ein wahres „am Ende der Welt“ Gefühl.

Tongan food, Tonga,
Typical Tongan food on Tongatapu
Andres Reisetipps:
Tonga, Beach, Waves
View from Ton’s beach house

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