Europa

Silvester 2016 in Gibraltar

Gibraltar, peninsula, sky

Nahe am südlichsten Punkt Spaniens befindet sich eine kleine Halbinsel, die den Eingang zum Mittelmeer eröffnet. Mit nur 30,000 Einwohnern auf dem kleinen, aber spektakulären Landzipfel, strahlt Gibraltar eine sehr familiäre Atmosphäre aus. An Silvester lockt die Stadt mit Live Musik und DJ auf einer Bühne am bekannten und idyllischen Casemates Square.

Gibraltar, peninsula, sky
Simply an awesome peninsula!
Angekommen in Gibraltar

Wenn man das erste Mal nach Gibraltar wird man erstaunt sein, dass direkt eine Straßenkreuzung mit Autos, Fußgängern und Flugzeugen auf einen zukommt. Da Gibraltar nicht sehr viel ebene Landfläche bietet, wurde der Flughafen direkt an der Grenze zu Spanien gebaut. Somit überquert die Hauptstraße zwingendermaßen die Landebahn des Flughafens.  Ehrlich gesagt ist das aber eine faszinierende Erfahrung direkt dort zu laufen, wo normalerweise internationale Flugzeuge starten und landen.

 

Gibraltar, airport
Crossing the landing strip.

Zudem hat man von der Landebahn aus einen fantastischen Blick auf die Skyline von Gibraltars Stadtzentrum. Diese hat mich stark an das Landschaftsbild von Monaco erinnert, aber in Sachen Kultur unterscheiden sich diese beiden Territorien stark. Auf direktem Wege nach Gibraltars Zentrum kommt man zum „großen“ Casemates Square, welcher auf der Felsenseite der Hauptstraße liegt. Dort spielten sich nicht nur die offizielle Silvesterfeier und das Feuerwerk ab, sondern laden die zahlreichen Restaurants und Pubs dazu ein, Fish and Chips zu essen. Das war auch unser Mittag – und Abendessen während unserem Aufenthalt dort.

Aber auch sonst gibt es viele spürbare Einflüsse von Großbritannien, zum Beispiel die markanten roten Telefonzellen und die Währung Pounds. Überraschenderweise hat Gibraltar eigene Geldscheine mit dem Schriftzug „Gibraltar“.

Die facettenreiche Vergangenheit

Gibraltar ist eine der umkämpftesten Regionen in Europa, da unzählige Schlachten im Laufe von Jahrhunderten am untersten Zipfel Spaniens stattgefunden haben. Die strategische wichitge Lage, dirket am Eingang zum Mittelmeer, machte es schon immer zu einer Zeilscheibe für Weltmächte. Bis ins Jahre 1704 gehörte Gibraltar dem vereinten Königreich von Spanien an und war somit unter Spanischer Herrschaft. Der folgende Spanische Erbfolgekrieg führte aber dazu, dass das Territorium Gibraltar an Britannien übergeben wurde. Seit diesem Zeitpunkt hat Spanien immer wieder durch militärische Gewalt oder wirtschaftlichen Druck versucht, die Kontrolle zurückzuerobern. Zusammengezählt musste Gibraltar somit drei Kriege mit Spanien und insgesamt 14 Belagerungen in einem Zeitraum von 500 Jahren überstehen.

Während der Herrschaft des Diktators Francisco Franco forderte Spanien die sofortige Kontrolle über das Gebiet. Um weiter Druck auszuüben, schloss Franco damals sogar die spanische Landgrenze zu Gibraltar in den Jahren 1969 bis 1985. Der Konflikt um Gibraltar immer noch nicht vollständig gelöst, da keine Einigung zwischen Großbritannien und Spanien gefunden werden konnte.

Aber heutzutage ist Gibraltar durch starken wirtschaftlichen Aufschwung in den Bereichen Tourismus, Finanzendienstleistungen und Frachtverkehr selbst zu großem Wohlstand gekommen. Außerdem ist die Region inzwischen fast politisch eigenständig, da ein eigenes Parlament einberufen wurde.

Die andere Seite von Gibraltar

Während die meisten Touristen in dem Stadtzentrum verweilen und mit der Gondel auf den Berg zu den bekannten Affen fahren, entschieden wir uns für die „road less traveled“ und nahmen den öffentlichen Bus zur weniger bekannten Seite von Gibraltar. Wir stiegen in Sandy Bay, einem Dorf mit vielleicht 30-40 Häusern aus und erkundeten die Gegend. Dort erkannten wir auch einen wirklichen Einfluss von Großbritannien, da die Küstenhäuser eher an die englischen Küstenregionen erinnerten, als an die spanische bzw. südländische Architektur.

beach, Gibraltar
Secluded beach – Sandy Bay.

Den Weg zurück in die Hauptstadt legten wir per Fuß zurück, da noch genug Zeit bis zur Silvesterfeier war. Wir stoppten in einem weiteren kleinen und idyllischen Fischerdorf. Um von der Straße Richtung Küste zu gelangen, geht man einfach eine kleine Treppe zur Meerseite hinunter. Dann kommt man an einer einladenden Promenade heraus. Wir fanden schnell den Weg zu einem lokalen Pub, welcher mit Fußballfans der englischen Premier-League gefüllt war. Interessanterweise schauten uns alle anderen Gäste sehr komisch an. Eine Weile später wurde uns dann gesagt, dass normalerweise keine Touristen in dieser Bar sind und sich praktisch jeder Gast bereits persönlich kennt.

Die Erfahrung in diesem Pub hätte echt nicht authentischer werden können. Wir sprachen mit einem Local, welcher (angeblich) der Mann von Miss Gibraltar 2009 (und später Miss World) war und zudem Manager von 50 größeren Schiffen ist. Zudem gab es relativ billiges Bier und man konnte bei einem tollen Blick eine angenehme Mittelmeer-Brise genießen. Die unbekanntere Seite von Gibraltar zu besuchen ist unbedingt empfohlen!

Hier war es auch unvorstellbar, dass nur drei Kilometer die moderne Stadt und der bekannte Casemates Square wartet.

Die Silvesternacht

Gegen 22 Uhr am 31. Dezember, direkt nach einem ausgiebigem Fish and Chips Dinner, machten wir uns langsam auf in Richtung Casemates Square. Der Name dieses Platzes kommt übrigens vom dem Britischen Grand Casemate, eine Kaserne am gleichnamigen Platz. Die angrenzenden Tore führen durch die frühere Mauer von Gibraltar. Der gesamte Komplex wurde 1817 fertiggestellt und zeigt wiederum die spannende Geschichte der Region auf.

Man kann sich eigentlich den ganzen Platz so vorstellen, als einen großen Innenhof, umzingelt vom historischen Stadtkern und zahlreichen Bars und Restaurants. Es ist nicht nur ein wunderschöner Platz, sondern auch der Anlaufpunkt für Touristen, die die Hauptstadt erkunden wollen.

An einer Seite vom Casemates square war eine Bühne aufgebaut, vor welcher bereits viele junge Leute, Familien aber auch Rentner versammelt waren, um das neue Jahr in zwei Stunden zu begrüßen. Es war wirklich ein inspirierendes Bild und verdeutlichte die familiäre Atmosphäre, welche übrigens auch im öffentlichen Bus mittags zu spüren war.

Live Bühne

Die Zuschauer am Casemates square wurden von James Neish, einem bekannten Radiomoderator und Journalisten in Gibraltar, und der aktuellen Miss Gibraltar durch den Abend geführt. Der Abend konnte also kaum noch mehr Kultur von Gibraltar mit sich bringen!

NYE, Gibraltar, party
Main stage at Casemates Square.

Genau um Mitternacht startete das offizielle Feuerwerk und beeindruckte die staunen Gäste für ein paar Minuten. Direkt im Anschluss ging eine noch unbekannte, aber fantastische Band aus Gibraltar mit dem Namen „Frontiers“ auf die Bühne. Die Band wurden von drei Brüdern, die in Gibraltar aufgewachsen sind, ins Leben gerufen. Inzwischen leben sie in UK und veranstalten sowohl dort als auch in Gibraltar regelmäßig Konzerte. Schaut unbedingt mal bei ihnen auf Youtube oder Spotify vorbei.

Nach der Performance der live Band, wurde noch bis in die frühen Morgenstunden mit einem DJ weitergefeiert. Insgesamt war es ein unvergessliches Silvester in Gibraltar.

Wir können einen Trip dorthin nur empfehlen, besonders zum Jahreswechsel natürlich. In der Zukunft ist es auch nicht unwahrscheinlich, dass wir nochmal in Gibraltar das neue Jahr begrüßen werden, denn es war ein tolles Erlebnis!

ReiseTIPPS:

–   Besucht die andere Seite von Gibraltar mit dem Bus (Linien 4 und 8 fahren direkt nach Sandy Bay oder Catalan Bay)

–   Schaut in der Seawave bar an der Promenade in Catalan Bay vorbei.

–   Der Konflikt zwischen Spanien und Gibraltar ist noch nicht wirklich vorbei, deswegen bei Interesse einfach Locals nach ihrer Meinung fragen.

–   Wer sich für Kultur und Geschichte interessiert, sollte unbedingt beim Gibraltar Museum und den „Great Siege Tunnels“ vorbeischauen. Das Museum ist übrigens Top Sight bei LonelyPlanet.

 

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