Beirut - voller Überraschungen.

 

"Today it is safe - tomorrow I don't know!"

Dieses Mal schreiben wir einen etwas anderen Post. Wir gehen nicht auf die besten Unterkünfte ein, was man sehen und unternehmen sollte oder wie man vom Flughafen in die Stadt kommt. Nein, warum sollten wir? Ihr werdet sowieso nie nach Beirut fahren. Ihr kennt die Nachrichten und die Warnungen des deutschen Auswärtigen Amtes und so weiter. Wir wurden häufig gefragt: "Was wollt ihr da? Dort sind Terroristen." Der Tonfall ist überall derselbe, im Prinzip geh nach Beirut und riskiere dein Leben.
Wenn man jetzt Freunden, Kollegen oder Verwandten erzählt, dass Beirut eine Destination für Freunde und Familie und ganz nebenbei die Partyhauptstadt des Mittleren Ostens ist, bekommt man fragende und unglaubwürdige Blicke entgegen geworfen.
Aber mal ganz ehrlich lasst die Leute denken, was sie denken. Dann bleibt dieses unentdeckte Paradies am Mittelmeer noch länger vom großen Touristenansturm verschont. Klar, im Strudel der schlechten Nachrichten, die man über den Libanon gewohnt ist, passiert es schnell, dass man Angst bekommt. Aber in diesem Land gibt es so viel mehr als die blutige Vergangenheit. Natürlich sind die Wunden noch frisch und auch wir hatten großen Respekt vor diesem Reiseziel. Jetzt können wir zugeben, dass wir falsch lagen - unsere Meinung über Beirut hat sich um 180° gedreht. Auf die Frage, ob es denn sicher wäre in Beirut, bekamen wir folgende Antwort: "today it is safe, tomorrow I don't know.... just kidding - hahaha (Taxifahrer)." Entspannt, kosmopolitisch, multikonfessionell und hip. Diese Wörter beschreiben Beirut besser als jeder Beitrag in der Tagesschau oder in der Zeitung. Beirut steht keiner anderen Stadt am Mittelmeer irgendetwas nach.
Beirut
Straßen von Beirut
Libanesen sind unglaublich freundliche Menschen. Die Küche zählt zu den besten der Welt und ihr Ruf ist auf der ganzen Welt verbreitet. Obwohl wir nur ein Wochenende in Beirut waren, haben wir uns wohl und vielleicht sogar ein bisschen Zuhause gefühlt. Fremde nahmen uns auf, zeigten uns ihre Stadt und führten uns durch die kulinarische Vielfalt des Landes.

Überraschungen in jeder Ecke

Beirut genießen...

Einer der besten Orte, um authentisch libanesisch essen zugehen ohne dabei die Kreditkarte ans Limit zubringen, ist das Cafe Em Nazih. "Hier wird noch gekocht wie bei den libanesisch Großeltern" erzählte uns Mohamed, ein Couchsurfer, der uns die Stadt zeigte.  Unser Tisch für 6 Personen war voll mit Mezze, libanesischen Tapas. Von Tabouleh über Hummus, bis hin zu Fatoush und Fladenbrot mit würzigen Kartoffeln war alles vorhanden. Ein absoluter Genuss. Dazu ein 961 Beer (+961 die libanesiche Vorwahl) aus einer kleinen lokalen Microbrewery. Orientalische Musik und lautes Gerede und Gelächter, das blubbern der unzähligen Shishas, sowie das Geräusch von Würfeln, die auf die hölzernen Backgammons Brettspiele aufschlagen, dominieren die Atmosphere des Cafe Em Nazih. Ganz klar - ein must visit.

Nach dem Sonnenuntergang

Überwältigt von den  Eindrücken, die wir tagsüber sammelten, starteten wir etwas erschöpft in den Abend. Nochmals überraschte uns die Stadt komplett. Unterwegs waren wir auf der Rue Armenia im Stadtteil Mar Mikhael, vorbei an unzähligen Pubs und versteckten Clubs. Auf den Straße hört man Livemusik in jeder Ecke. Es ist schließlich Freitagabend und die Strassen und Bars sind voller Menschen. Neben uns trafen wir noch ein paar Briten, die sich auch nach Beirut verirrt hatten, aber sonst waren nur Locals unterwegs.
Junkyard Club
Joe von "pubcrawlbeirut" schleuste uns durch die coolsten Bars der Stadt. Ein absoluter Augenfang war das Junkyard. Man kann fast sagen, dass das Junkyard durch die einzigartige Aufmachung das ganze Land metaphorisch repräsentiert.  Um hineinzukommen, läuft man durch alte Schiffscontainer und denkt sich von außen, was ist das bitte? Wenn man einmal drin ist, will man nicht mehr weg. Eine geile Bar mit so ziemlich den besten Cocktails der Stadt (Betreiber ist der Gewinner des Contests "bester Rum-basierter Cocktail der Welt"). Mehr zum Nightlife werden wir in einem weiterem Beitrag schreiben.

Im Gespräch mit den Menschen

Was uns mit am meisten von Beirut begeistert sind die Bewohner der Stadt selbst. Ob Taxifahrer, Couchsurfer oder einfach die Leute auf der Straße. Man fühlt sich willkommen und man sucht das Gespräch. Dieses beginnt dann manchmal doch etwas subtiler mit einem: "Where are you from?" - "Germany" - "Welcome to Lebanon - Heil Hitler." Danach geht das Gespräch in einem großen Gelächter auf. Aber auch politisch wird rege diskutiert über die vielen Probleme, die das Land hat. Zum Beispiel ist Korruption eines der Kernthemen der Menschen. Im Mai stehen Wahlen im Libanon an und das politische System ist so einzigartig wie das Land selbst. Das Staatsoberhaupt muss ein Christ sein, der Präsident des Parlaments ein schiitscher Muslim, der Regierungschef ein sunnitischer Muslim und der Oberbefehlshaber der Armee ein Christ. Trotz vieler Schwierigkeiten, zeigt dieses System, dass ein friedliches Zusammenleben der Religionen möglich ist. Die einzelnen Gruppen haben natürlich viele verschiedenen Meinungen, aber im Bezug auf ein Thema sind sich alle einig - Israel. Es sind nunmal zwei befeindete Länder meinte einer unserer Couchsurfer (Christ), den wir vor Ort trafen.
Aber auch auf die als terroristische Organisation eingestufte Organisation Hezbollah kamen wir zu sprechen. Im Libanon hat man über diese politische Partei ein ganz anderes Bild als im Westen von den Medien gezeichnet wird. "Auch wenn ich zum größten Teil nicht ihrer politischen Ideologie zustimme, geben sie keine falschen Versprechen, sie organisieren ihre Stadtteile besser, es ist sauberer, es gibt deutlich weniger Korruption und sie haben uns vor dem islamischen Staat verteidigt und dafür bin ich auch dankbar" so ein Couchsurfer, den wir trafen. Abends auf dem Weg zum Cafe Em Nazih brachte es dann ein alter Taxifahrer auf den Punkt: "Sorry for saying it that way, but we fucked ISIS - hahahaha." Und so könnten die Geschichten immer weiter erzählt werden. Was es dort alles zu sehen gibt, erfahrt ihr im nächsten Beitrag. Wir werden bald wieder nach Libanon reisen, um aufs Neue in eine komplett andere und überraschende Welt einzutauchen.